„In den letzten Jahrzehnten sind insbesondere die Geldtheoretiker immer mehr zu Handreichern und Stichwortgebern von Zentralbanken und anderen Währungsbehörden geworden.“

Prof. Dr. Guido Hülsmann

24.10.2012 – von Jörg Guido Hülsmann.

Die Gründung des Ludwig von Mises Instituts Deutschland fällt in das Jahr des hundertjährigen Jubiläums der Erstveröffentlichung der Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel. Diese Habilitationsschrift markiert einen wichtigen Wendepunkt der Geistesgeschichte, der auch für uns heute noch brennend aktuell ist und der uns die unverminderte Bedeutung dieses großen Denkers verstehen lässt.

Mises war der erste Ökonom, der es schaffte, die Geldtheorie in die allgemeine Theorie des subjektiven Wertes einzugliedern. Auf dieser Grundlage rollte er alle großen geldtheoretischen und währungspolitischen Debatten seit Adam Smith auf und verband sie in einer umfassenden und systematischen Theorie, die insbesondere auch zum Verständnis und zur Lösung unserer heutigen währungs- und finanzpolitischen Probleme weiterhin grundlegend ist.

Sozusagen en passant entwickelte er dabei gleich auch noch viele andere wichtigen Ideen, mit denen er den Gang der Volkswirtschaftslehre im 20. Jahrhundert z.T. um Jahrzehnte vorwegnahm. So stellte er die Menger’sche Werttheorie in ein völlig neues Licht, indem er unterstrich, dass subjektive Werte in individuellen Wahlhandlungen verwurzelt sind. Er entwickelte eine subjektivistische Typologie des Geldes, die den Schlüssel zum Verständnis der Ursachen und Folgen der Geldpreise liefert. In der Theorie der internationalen Beziehungen verknüpfte er die monetäre mit der realwirtschaftlichen Dimension und wurde somit zu einem Wegbereiter der internationalen monetären Ökonomie. Mises untersuchte den Prozess der Preisbildung auf – im realen Wirtschaftsleben vorherrschenden – unorganisierten Märkten. Er widerlegte die wichtigsten geldtheoretischen Irrtümer seiner Zeit, die z.T. bis heute noch ihr Unwesen treiben, z.B. die mechanische Quantitätstheorie und überhaupt alle mechanische Preistheorien, desweiteren die Methode der Indexzahlen, die Theorie der Currency School und auch die der Banking School.

Nicht zuletzt entwickelte Ludwig von Mises in dieser frühen Schrift auch eine Theorie der wirtschaftlichen Krisen, die in den letzten Jahren eine fulminante Renaissance erlebt hat. Mises erklärte, wie und warum eine expansive Geldpolitik intertemporale Ungleichgewichte in der gesamtwirtschaftlichen Produktionsstruktur hervorruft. Wie bereits die klassischen Ökonomen trat er daher zeit seines Lebens entschlossen dafür ein, jeglichen staatlichen Einfluss auf die Geldproduktion so weit wie möglich einzugrenzen. Insbesondere bestritt er die Nützlichkeit von Zentralbanken und empfahl eine Rückkehr zur Goldwährung mit effektivem Goldumlauf.

Mises‘ Werk ist viele Jahrzehnte lang vernachlässigt worden. Unter den heutigen Berufsökonomen ist es beinahe unbekannt. Das liegt nicht zuletzt an der unheilvollen Entwicklung der akademischen Volkswirtschaftslehre nach dem Zweiten Weltkrieg. In den letzten Jahrzehnten sind insbesondere die Geldtheoretiker immer mehr zu Handreichern und Stichwortgebern von Zentralbanken und anderen Währungsbehörden geworden. In ihrem Bestreben, „praktisch“ und „relevant“ zu sein, haben sie es versäumt, die theoretischen Grundlagen des heute vorherrschenden „konventionellen Denkansatzes“ zu studieren und zu hinterfragen. Genau diese Grundlagenarbeit leistete Ludwig von Mises vor hundert Jahren, und in seinen späteren Schriften erklärte er auch, wohin die einschlägigen Denkfehler letztlich führen müssen – dahin, wo wir heute sind.

In Deutschland und in allen anderen Ländern sind wir jahrzehntelang den abschüssigen Weg der expansiven Geldpolitik hinuntergelaufen. Heute wird immer offensichtlicher, dass dieser Weg eine Sackgasse ist. Nach hundert Jahren voller Währungsexperimente und geldpolitischer Finessen sehen wir mitnichten in eine schöne neue Welt von Wachstum, Stabilität und Freiheit. Vielmehr sehen wir in allen Ländern eine grassierende Vetternwirtschaft, ein unkontrolliertes Wachstum des Staates, eine nie gesehene wirtschaftliche und politische Abhängigkeit der großen Masse der Bevölkerung, ein vergleichsweise träges Wachstum inmitten bedeutender Technologieschübe, und wir erleben nie endende Sequenzen von Wirtschaftsblasen und Krisen.

Dieser betrübliche Stand der Dinge wirft zwangsläufig Fragen über den heutigen Stand der Volkswirtschaftslehre auf. Diejenigen, die solche Fragen stellen, lesen früher oder später Ludwig von Mises bzw. die Autoren, die seinen Denkansatz heute fortentwickeln. Willkommen beim Mises Institut Deutschland!

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Jörg Guido Hülsmann ist Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des „Ludwig von Mises Institut Deutschland“. Er ist Professor für Ökonomie an der Universität Angers in Frankreich und Autor von «Ethik der Geldproduktion» (2007) und «Mises. The Last Knight of Liberalism» (2007).

Seine Website ist guidohulsmann.com

 

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