Konjunkturen und Krisen.

von Ludwig v. Mises

Ludwig von Mises

Der Interventionismus glaubt, daß eine Senkung des Zinssatzes unter die Höhe, welche er in einem unbehinderten Markt erreichen würde, sehr segensreich sei, und er betrachtet Kreditausweitung als das geeignete Mittel zur Erreichung dieses Zieles. Aber eine durch Kreditausweitung künstlich erzeugte Hochkonjunktur kann nicht von Dauer sein. Sie muß in einem allgemeinen Darniederliegen von Handel und Gewerbe, in einer Wirtschaftskrise enden. Aus dieser Erklärung der Konjunkturschwankungen, der sogenannten monetären Konjunkturtheorie oder Zirkulationskredittheorie, ist zu folgern, daß es nur ein Mittel gibt, um das Wiederkehren von Zeiten wirtschaftlicher Depression zu vermeiden, nämlich sich aller Versuche, durch Kreditausweitung eine vorübergehende künstliche Hochkonjunktur hervorzurufen, zu enthalten. Die Interventionisten sind jedoch nicht gewillt, auf ihre heißgeliebte Politik zu verzichten, die die Leute durch eine trügerische Prosperität auf kurze Zeit glücklich machen möchte. Sie sind sich durchaus bewußt, daß es unmöglich ist, die monetäre Theorie der Konjunkturschwankungen zu widerlegen oder in Mißkredit zu bringen, und sie übergehen sie darum mit Stillschweigen oder entstellen sie, um sich alsdann höhnisch über sie lustig zu machen………..Die Interventionisten dagegen erkennen der Regierung die Macht zu, die Härte oder Dauer der Depression durch sogenannte anti-zyklische Maßnahmen zu verhüten oder zum mindesten zu mildern. Unter diesem hochtrabenden Namen empfehlen sie im Notfalle, wenn die Staatseinkünfte zufolge der Depression im Abnehmen begriffen sind, einerseits Steuernachlässe und andererseits eine ungeheure Erhöhung der Staatsausgaben durch riesige öffentliche Arbeiten und erhöhte Arbeitslosenunterstützung. Während die Krise die unausweichliche Folge der Schöpfung zusätzlicher Mengen von Geld und Geldsurrogaten ist, wollen die Interventionisten sie durch weitere Inflationsmaßnahmen beheben. Theorie und Geschichte lehren zwar, welches Endergebnis eine längere Zeit hindurch betriebene Inflationspolitik zeitigt; aber was kümmert sie das.

Inflation ist auch die einzige Lösung, welche der Interventionismus zur Behebung der Massenarbeitslosigkeit in Vorschlag bringt. Die schicksalhafte Verkettung aller Versuche, das freie Spiel des Marktes zu beeinträchtigen, zeitigt auch hier schlimme Folgen. Zunächst bestimmen und erzwingen Staat oder Gewerkschaften Mindestlohnsätze, welche höher sind als die durch die Marktlage gegebenen. Da dies unausweichlich Massenarbeitslosigkeit zur Folge hat, und zwar auf unabsehbare Zeit hinaus, nimmt die Regierung nunmehr ihre Zuflucht zu Inflationsmaßnahmen. Folge der Inflation sind höhere Preise der Verbrauchsgüter und höhere Lebenshaltungskosten, welche wiederum die Regierung und die Gewerkschaften dazu veranlassen, neuerlich einzugreifen, um die Lohnsätze von neuem über die durch die Marktlage gegebenen Sätze zu erhöhen. Und so geht es weiter. Eine liberale Bewegung darf niemals vergessen, daß gesundes Geld eines der Grundprinzipien des Liberalismus alter wie neuer Prägung ist.

Aus „Die Wahrheit über den Interventionismus“ aus dem Jahr 1957 – Ludwig v.Mises.

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