Ludwig von Mises. Ein Lexikon

30.5.2016 – Am 9. Mai ist im Finanzbuchverlag – Edition Lichtschlag das Buch „Ludwig von Mises. Ein Lexikon“ erschienen. Lesen Sie nachfolgend die Einführung des Herausgebers, Michael Ladwig.

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Ich bin nicht für die Marktwirtschaft und gegen den Sozialismus, weil die Kapitalisten sehr nette Leute sind. {…} Ich bin für den Kapitalismus, weil er der Menschheit nützt. Ich bin nicht gegen den Sozialismus, weil die Sozialisten schlechte Leute sind, aber weil er zu einem völligen Niedergang des Lebensstandards aller führt und die Freiheit zerstört.[1]

Ludwig von Mises

Michael Ladwig

 

Lieber Leser, vielen Dank für den Kauf dieses Werkes. Vor Ihnen liegt ein außergewöhnliches Extrakt der schriftlichen Werke eines der größten Ökonomen und Sozialphilosophen des 20. Jahrhunderts: Ludwig von Mises (1881–1973).

Dass es so weit kommen konnte, verdankt die Nachwelt der leidenschaftlichen Vehemenz, mit der Mises seine Thesen vertrat. Die Erkenntnis, dass jedweder Fremdeingriff in bedürfnisgelenktes Handeln unethisch ist, ist dabei nur eine – jedoch wesentliche – Folge der Geradlinigkeit seiner Arbeiten. Beispielhaft dafür mag ein Satz aus seiner viel zu kurzen Autobiografie dienen, nämlich dass »in der Wissenschaft {…} Kompromisse Verrat an der Wahrheit«[2] seien. Mit Nachgiebigkeit vermag man Freunde in Politik und Wissenschaft zu gewinnen, Mises jedoch war daran nicht interessiert. Vielmehr setzte er auf Vernunft. Die Feindschaft vieler Akademikerkollegen – zumeist aus der Historischen Schule der Nationalökonomie – und Politiker begleiteten ihn leider sein Leben lang. Aber auch weite Teile der außerökonomischen Intelligenz standen Mises’ entschlossenem Eintreten und seinen messerscharfen Argumenten gegen jedwede sozialistischen Experimente ablehnend gegenüber.

Ludwig von Mises’ Schriften sind zweifelsfrei der geistige Kraftquell des Liberalismus und des Libertarismus gleichermaßen; beide erfreuen sich in der jüngeren Vergangenheit starken Zulaufs. Die Lektüre Mises’scher Werke sind unzweifelhaft die erfolgversprechendste Therapie gegen Sozialismus, Etatismus und Interventionismus; denn – Unvoreingenommenheit und Aufgeschlossenheit vorausgesetzt – seine in der Praxis immer wieder bestätigten Theorien führen sozusagen zur »Heilung« vom planwirtschaftlichen Denken. Der österreichische Visionär hatte bereits 1912 die fatale Wirkung eines Banken-Teilreservesystems beschrieben[3] und 1920 die Undurchführbarkeit eines sozialistischen Wirtschaftssystems theoretisch nachgewiesen.[4] Und das noch bevor diese Systeme politisch und weltgeschichtlich Relevanz erlangten! 1927, also zwei Jahre vor der Weltwirtschaftskrise, prophezeite Mises: »Wer seine Augen nicht absichtlich schließt, muß überall die Anzeichen einer nahenden Katastrophe der Weltwirtschaft erkennen.«[5]

Obwohl Mises’ Geld- und Konjunkturtheorien zunächst großen Anklang fanden, gerieten seine Lehren von der Wirkmächtigkeit einer freien Marktwirtschaft im Fahrwasser interventionistischer Doktrinen ins Abseits. Zu Unrecht, wie wir heute wissen.

Doch erfreulicherweise wächst seit mehr als einem Jahrzehnt das Interesse an der Person Ludwig von Mises und seiner Lehre unaufhörlich. Als bekanntester Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie vertrat er die radikale Ansicht, dass nur eine auf freiwilligen Handlungen basierende Wirtschaftsform – wie der Kapitalismus – nachhaltigen Wohlstand auf- und ausbauen kann. Alle anderen Wirtschaftsformen – wie die sozialistischen oder die interventionistischen – sind, gemessen an ihren eigenen Zielen, zum Scheitern verurteilt.

Die erkenntnistheoretischen Arbeiten Mises’ nehmen stets das menschliche Handeln in den Blick. Diese Lehre – die Praxeologie, wie er sie nannte – ist das Fundament, auf dem alle anderen wissenschaftlichen Disziplinen – auch die Wirtschaftswissenschaften – gedanklich aufbauen. Ihr Stellenwert in der akademischen Welt ist allerdings nicht der, den sie haben müsste, weil zeitgenössische Wirtschaftswissenschaftler sich aufgrund ihrer Nähe zur Philosophie nur schwer mit ihr anfreunden können.[6] Der handelnde Mensch trachtet nach der bestmöglichen Deckung seiner Bedürfnisse, und diese sind die Antriebsmechanismen einer jeden Volkswirtschaft. Folgerichtig stand daher immer der Mensch im Zentrum seiner Erörterungen, niemals aber anonyme Kollektive. Mises’ Subjektivismus ist der weitergedachte Umstand von der Verschiedenartigkeit der Menschen. Unterschiedliche Fähigkeiten, Bedürfnisse und Ethiken bestimmen in Gänze das Auf und Ab der Wirtschaft. Die vielgescholtene Ungleichheit der Lebensverhältnisse ist nur eine Folge dieser unumstößlichen Erkenntnis. Der unbehinderte Markt war für Mises nicht nur eine Einrichtung der ergiebigen Arbeitsteilung und effizienten Allokation knapper Ressourcen, sondern der Garant und unabdingbare Voraussetzung für Frieden und Freiheit, mithin ein Inkubator menschlicher Gesellschaft.

Mises stellte zu Recht fest, dass es Demagogen allzu leicht fällt, die Gegenwart auf Kosten unserer Zukunft zu bereichern, weil unser ganzes Denken völlig auf das beschränkt ist, was wir wissen und auf den ersten Blick zu beobachten imstande sind. Mises nahm es zeit seines Lebens auf sich, die dunkle Kehrseite einer jeden staatsinterventionistischen Maßnahme auszuleuchten. Denn, so Mises, »wer nur das zu sagen hat, was jedermann hören will, sollte lieber schweigen«.[7]

Die vorliegende Veröffentlichung ist daher dazu geeignet, den wichtigsten Begrifflichkeiten des Mises’schen Denkens in nuce wieder mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Insofern soll dieses Nachschlagewerk der Weiterverbreitung seiner Gedanken dienen und gleichzeitig Anregung zum vertiefenden Studium seiner Werke sein.

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[1] Marxism Unmasked, S. 102
[2] Erinnerungen, S. 48
[3] in »Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel«
[4] in verschiedenen Aufsätzen zur sozialistischen Wirtschaftsordnung und ab 1922 in »Die
Gemeinwirtschaft«
[5] Liberalismus, S. 2
[6] Im Übrigen standen auch einige damalige Nationalökonomen mit der Praxeologie auf
Kriegsfuß und »verhöhnten« den von Mises vertretenden Zweig der Nationalökonomie als
»literarisch«. Bemerkungen über die mathematische Behandlung nationalökonomischer Probleme , S. 662.
[7] Erinnerungen, S. 38

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Michael Ladwig ist Finanzbuchhalter, Controller und »Misesianer«. Er ist 1978 im größten Freiluftgefängnis der Welt – der Deutschen Demokratischen Republik geboren. Nach dem Abitur, Wehrdienst, BWL-Studium und Familiengründung, hat er sich bereits seit dem Crashjahr 2008 mit den Ursachen großer Verwerfungen im Finanzsystem beschäftigt. Er ist Gründer des Oeconimus-Verlages. Für sein Ludwig von Mises Lexikon hat er fast fünf Jahre intensiv die Werke von Mises studiert.

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Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Institut Deutschland wieder.

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