Die Klimaaktivisten wollen unser Essen verteuern

11.05.2016 – von Ryan McMaken.

Ryan McMaken

In einer zivilisierteren Zeit, also während den 1840ern, begrüßte man es, wenn die Nahrungspreise für alle sanken. Heutzutage gilt es jedoch als Wohltat im Sinne der „Klimanachhaltigkeit“, wenn diese Preise ansteigen, wie der UK Independent berichtet:

Dänemark erwägt Vorschläge, um eine Steuer auf rotes Fleisch einzuführen, nachdem eine Denkfabrik der Regierung zu dem Schluss gelangte, dass „der Klimawandel ein ethisches Problem ist“.

Der dänische Ethikrat schlägt vor, zuerst eine Steuer auf Rindfleisch einzuführen, um dann das Gesetz nach und nach auf alle Fleischsorten auszuweiten. Langfristig soll die Steuer dann auf sämtliche Nahrungsmittel eingeführt werden. Ihr Niveau soll von der jeweiligen Klimabelastung abhängen.

Der Rat stimmte mit einer überwältigenden Mehrheit für diese Maßnahme und sein Vorschlag wird nun der Regierung zur Beratung vorgelegt.

Man wundert sich zwar, was eigentlich genau mit „ein ethisches Problem“ gemeint ist, aber es geht ziemlich klar aus dem Kontext hervor, dass darunter nichts anderes zu verstehen ist, als „ein Problem, von dem wir Eliten überzeugt sind, dass es gegenüber allen anderen Problemen Vorrang zu haben hat“.

Falls eine solche Gesetzgebung tatsächlich verabschiedet wird, dann setzt das auch die Schaffung einer vollkommenen Regierungsbürokratie voraus, die bestimmt, welches Nahrungsmittel eine akzeptable Klimabelastung hervorruft und welches nicht. Bürokraten werden ohne Zweifel fürstlich dafür entlohnt werden, um Berichte zu verfassen, aus denen hervorgeht, wie hoch die Besteuerung für Nahrungsmittel X ausfallen muss, damit die angemessene Klimabelastung reflektiert wird oder nicht. Es wird Ranglisten, Weißbücher, Ausschüsse und Propagandakampagnen geben, um den Bürgern eine „ethische Diät“ aufzuschwatzen.

In einer heileren Welt würde ein solches Mikromanagement der Essgewohnheiten von uns Menschen als absurd verworfen werden, aber nicht in Zeiten der uferlosen Zunahme von Regierungsgewalt im Namen der Erhaltung des klimatischen Status Quo.

Die Befürworter neuer Steuern ignorieren ihre Kosten

Was wird das aber den Durchschnittsbürger kosten? Weder sind die Kosten, aufgrund der gemeinschaftlichen und rituellen Bedeutung von Nahrung in der menschlichen Kultur, mit Sicherheit nicht null, noch können die subjektiven Wertschätzungen von Milliarden von Menschen einfach außer Acht gelassen werden. Manche Leute bevorzugen es, ihre Nährstoffe über Fleisch zu beziehen, andere Leute präferieren andere Quellen. Einige religiöse oder kulturelle Kreise zelebrieren bestimmte Nahrungsmittel. Falls die neuen Lebensmittelsteuern eingeführt werden, werden diese Aspekte des Alltags, diese zentrale Aktivitäten für die menschliche Kultur und das menschliche Leben, noch mehr eingeschränkt und die ärmsten der Gesellschaft werden davon am meisten betroffen sein.

„Es ist doch nur rotes Fleisch“, werden einige sagen, aber diese Lebensmittelsteuer ist lediglich ein kleiner Ausschnitt aus dem globalen Bestreben unserer politischen Eliten, die die Schlinge immer enger um die Normalsterblichen ziehen, indem sie ihnen einreden, dass der Konsum unserer grundlegendsten Genussmittel nichts anderes ist als Ökoterrorismus. „Es ist doch nur rotes Fleisch“, klingt ähnlich wie: „Es ist doch bloß eine kleine Steuererhöhung.“ Als ob es nicht schon eine bereits existierende Steuerbelastung gäbe, die aufgrund dieses Vorschlags nochmals erhöht wird. Darüber hinaus haben die Planer bereits klargemacht, dass nichts vor dieser Steuer sicher ist. Man gibt freimütig zu, dass nicht nur alle Nahrungsmittel gereiht werden sollen, sondern sämtliche Aspekte des menschlichen Lebens, wie Reisen, Freizeitbeschäftigung und Wohnen.

Sie wollen ein Wochenende am Meer verbringen? So ein Pech, dafür benötigt man fossile Brennstoffe. Sie wollen ein günstiges Haus erwerben? So ein Pech, Sie dürfen nur ein Haus mit teuren dreifachverglasten Fenstern und anderen „energieeffizienten“ Annehmlichkeiten bauen. Sie wollen eine Weihnachtsgans essen? So ein Pech, der CO2-Abdruck ist zu hoch.

Aber machen Sie sich keine Sorgen. Die Milliardäre und Politiker werden sich ihre Privatjets und Luxusmahlzeiten immer noch leisten können. Für den Rest der Menschheit ist es aber wichtig, dieses „ethische Problem“ anzugehen.

Beachten Sie bitte, dass es nie zu einer Anerkennung der Kosten solcher Nahrungsmittel- und CO2-Steuern kommt, die dann gegen die vermeintlichen Nutzen dieser Maßnahmen aufgerechnet werden könnten.

Die Kosten für die Gesellschaft, die aus den Preiserhöhungen für Essen, Reisen und Wohnen resultieren, gibt es aber wirklich. Aufgrund der schier unendlichen Anzahl an Möglichkeiten für jedes Individuum, Essen, Reisen, Wohnen und unzählige andere Aktivitäten für sich zu bewerten, können diese aber nie berechnet werden. Die wahren Kosten sind daher unbekannt. Das ist immer das zentrale Problem öffentlicher Politik und natürlich ganz allgemein der Zentralplanung. Es gibt keinen Weg um zu prognostizieren, wie unzählige einzigartige Menschen mit ihren individuellen Wertvorstellungen auf eine neue Verordnung oder auf ein neues Gesetz reagieren werden. Friedrich A. von Hayek beschreibt in seinem Buch Die verhängnisvolle Anmaßung dieses zentrale Problem der Regierungsplanung mit der Tatsache, dass „man nicht planen kann, was man nicht wissen kann“.

Schwerer noch wiegt die Tatsache, dass man es standhaft ablehnt, ökonomische Auswirkungen bei den Überlegungen für Klimagesetze mit einzubeziehen. Dies spiegelt sich in der Wortauswahl der Aktivisten wider, die betonen, dass die globale Erwärmung ausschließlich als „ethisches Problem“ behandelt werden soll. Diese Worte werden als eine Art Talisman vor sich hergetragen, um deren Befürworter von der Bürde zu befreien, sich mit den alten, langweiligen Warnungen der Ökonomen zu befassen, die die unangenehme Realität von Knappheit und Opportunitätskosten anerkennen.  Die Konsequenzen einer solchen Einstellung sind oftmals weniger als ideal, weshalb Hayek beobachtete: „Es ist also Verrat an der Sorge um andere, wenn man über die „gerechte Gesellschaft“ theoretisiert, ohne sorgfältig die wirtschaftlichen Folgen der Umsetzung solcher Ansichten in die Praxis zu überdenken.“

Der angebliche Nutzen der Klimagesetzgebung kann auch nicht kalkuliert werden

Erwarten Sie in nächster Zeit aber keine solche Kosten-Nutzen-Rechnung.

Die Klimaerwärmungsdebatte ist nie weiter vorangekommen als bis zur Forderung, dass sich jeder dem letzten Klimarettungsversuch unterwerfen solle oder aber wir werden das Armageddon riskieren. Wie ich bereits vor einem Jahr, im Mai 2015, schrieb:

Natürlich ist diese „Friss-oder-Stirb“ Nummer ein propagandistischer Traum, denn im echten Leben, wo rationalere Köpfe – manchmal jedenfalls – obsiegen, müssen die Kosten einer vorgeschlagenen staatlichen Handlung gegen die Kosten der Alternativen abgewogen werden. Grundsätzlich gilt dabei, dass die Beweislast auf Seiten derjenigen liegt, die staatliche Eingriffe befürworten, da ihr Plan die Verwendung staatlicher Gewalt zum Erreichen ihrer Ziele vorsieht.

Nehmen wir an dieser Stelle einfach einmal an, dass ein globaler Klimawandel stattfindet und dass der Meeresspiegel ansteigt. Trotzdem bleiben noch einige Fragen offen, die von den Klimawandel-Enthusiasten zu beantworten sind:

1.    Wie hoch sind die Kosten eures Planes für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen in Bezug auf den Lebensstandard und Menschenleben?
2.    Sind die Kosten eures Planes höher oder niedriger als die Kosten für andere Lösungsansätze, wie etwa die graduelle Umsiedlung von Einwohnern von Küstengebieten?
3.    Könnt ihr zeigen, dass euer Plan mit einer hohen Wahrscheinlichkeit umsetzbar ist und wenn nicht, warum wir ihn trotzdem umsetzen sollen, wenn wir die gleichen Ressourcen auch für andere sinnvollere und dringendere Bedürfnisse wie etwa sauberes Wasser, Nahrung und andere Grundbedürfnisse verwenden können?

Viel zu häufig sind die Reaktionen auf Fragen solcher Art wütende Tiraden darüber, dass wir jetzt handeln müssen. Letztlich ähnelt so eine Haltung einer Person, die plötzlich den Winter näher rücken sieht und verlangt, dass jeder unmittelbar einen Unterschlupf nach ihren speziellen Vorstellungen zu errichten hat. “Könnt ihr denn nicht sehen, dass es kälter wird?”, sagt derjenige. “Wenn wir nicht den Unterschlupf auf meine Art und Weise bauen, werden wir alle erfrieren.” Wenn dieser jemand mit Fragen konfrontiert wird, ob sein Plan für einen Unterschlupf wirklich der beste Weg der Umsetzung ist oder ob vielleicht vielmehr eine andere Form von Unterschlupf kosteneffizienter ist oder ob andere einen Unterschlupf nach ihren eigenen Vorstellungen errichten sollten, verkündet er verärgert: “Euch Winterleugner interessiert es also nicht, ob wir alle sterben.”

Die Basisannahme ist, dass jede einzelne, von Klimawandelaktivisten vorgeschlagene Regulierung absolut essentiell ist und jedwede Kritik an ihren Plänen das sichere Ende der Menschheit mit sich bringt.

Unter normalen Umständen würde jede vernünftige Person diesen modus operandi sofort als das Werk gefährlicher, religiöser Fanatiker entlarven, aber gegenüber den modernen Befürwortern globaler Klimaplanung wird ein solcher Widerspruch nicht toleriert und jede rationale Erwägung realer Kosten und Nutzen wird bei Seite gewischt und militant ignoriert.

In vielerlei Hinsicht resultiert diese anti-intellektuelle Weigerung, die Nachteile einer solchen Politik zu diskutieren, aus der Tatsache, dass viele Befürworter der Essenssteuer nicht in der Lage sind, irgendwelche praktischen und messbaren Vorteile zu benennen. Viele dieser „Vorteile“ entstammen nämlich lediglich Spekulationen, welche von Computermodellen abgeleitet wurden.

Im Gegensatz zur herkömmlichen Wissenschaft basiert diese politisierte Variante der Klimawissenschaft nicht auf tatsächlichen Beobachtungen, sondern auf hypothetischen Modellen. Mehr noch, selbst wenn die Modellbauer die exakten Auswirkungen der Klimaerwärmung korrekt prognostizieren könnten, müssten sie die spezifischen Vorteile einer spezifischen Essenssteuer oder einer Steuer auf Flugreisen oder einer Regulierung in der Bauwirtschaft illustrieren können. Keine solche Präzision existiert jedoch, keine solchen „Vorteile“ können veranschaulicht werden. Wir sind wiederum bei Hayeks Kalkulationsproblematik angelangt.

Tatsächlich basiert dieses gesamte Unterfangen auf dem mystischen Glauben, dass Abgeordnete Gesetze erlassen können, um die damit verbundenen Ziele, dank der Macht des Wunschdenkens, erreichen zu können.  Die sehr viel wahrscheinlichere Variante, dass nämlich die Regierungsplaner blindlings nach irgendeiner Lösung greifen, muss standfest geleugnet werden.

So wird jeder Anmerkung gegen eine Essenssteuer und ähnlichen Maßnahmen die immer gleiche Antwort entgegenhalten: „Folge uns oder stirb in der aufkommenden Klimaapokalypse.“

Das ist zwar eine interessante Position, sie hat aber keinen Platz in einer rationalen Politdiskussion.

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Aus dem Englischen übersetzt von Mathias Nuding. Der Originalbeitrag mit dem Titel Global Warming Activists Want to Make Food More Expensive ist am 28.4.2016 auf der website des Mises-Institute, Auburn, US Alabama erschienen.

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Ryan McMaken ist Editor von Mises Daily und The Free Man. Er studierte Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaft an der University of Colorado.

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Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Institut Deutschland wieder.

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