Interventionismus bringt die Lebensversicherer in die Bredouille

21.3.2014 – von Andreas Marquart.

Andreas Marquart

Derzeit findet eine Diskussion um die Zukunft der Lebensversicherer statt. Lebensversicherer schalten in den Krisenmodus titelte am 15. März die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Viele Lebensversicherer scheinen kaum mehr in der Lage zu sein, die Renditen, die sie ihren Kunden versprochen haben, zu erwirtschaften. Kein Wunder: Die deutschen Versicherer haben durchschnittlich 90 Prozent ihres Deckungsstockes – das ist der ‚Topf‘, in dem sich die angesparten Gelder der Versicherten befinden – in festverzinslichen Anleihen angelegt, große Anteile davon in Staatsanleihen. Und die Renditen festverzinslicher Anleihen kennen seit Jahren nur noch einen Weg: nach unten.

Die Situation, in der sich die Lebensversicherer und ihre Versicherten wiederfinden, ist ein Beispiel par excellence dafür, wohin staatlicher Interventionismus führt; und sie zeigt letztlich auch, dass ein Eingriff logischerweise und zwangsläufig immer mehr Interventionismus nach sich zieht. Warum das so ist, soll nachfolgend erklärt werden.

Intervention „Verstaatlichung des Geldes und Geldmengenausweitung“

Der Ort, von dem das Grundübel ausgeht, ist die staatliche Geldschöpfung „aus dem Nichts“. Sie sorgt notwendigerweise für Verzerrungen im Wirtschaftsgeschehen. Die staatliche Geldschöpfung bläht das Geldangebot künstlich auf, und das allgemeine Zinsniveau wird künstlich heruntermanipuliert.

Kenner der Geld- und Konjunkturtheorie der Österreichischen Schule der Nationalökonomie wissen: Im staatlich beherrschten Geldsystem haben die Zinsen im Trendverlauf nur eine Richtung: nach unten. Die staatliche Zentralbank sorgt nämlich für immer weiter anwachsende Kredit- und Geldmengen, bereitgestellt zu immer tieferen Zinsen.

Intervention „Herabdrücken der Zinsen“

Verstärkt wurde der Zinsniedergang durch die jüngste Finanz- und Wirtschaftskrise. Seit Krisenausbruch wurden die Leitzinsen von der Europäischen Zentralbank (EZB) von 4,25 Prozent auf mittlerweile 0,25 % gesenkt. Zudem hat die Krisenstimmung dafür gesorgt, dass Kapital vor allem aus den Euro-Peripheriestaaten in deutsche Staatsanleihen geströmt ist. Es hat die Kurse der Bundesschuldtitel in die Höhe getrieben und ihre Renditen auf ein mittlerweile historisch niedriges Niveau fallen lassen.

Angesichts der Zinsdrückerei der EZB ist es für viele Versicherer kaum mehr möglich, oder gar nicht mehr möglich, die Renditen zu erwirtschaften, die nötig sind, um die in der Vergangenheit abgegebenen Zinsversprechen einlösen zu können.

Interventionen „Gesetzlicher festgelegter Garantiezins – Anlagevorschriften“

Im Zuge der gesunkenen Zinsen haben die Versicherer den gesetzlich festgelegten Garantiezins, den sie ihren Kunden zahlen müssen, immer weiter abgesenkt. Lag er im Jahr 1994 noch bei immerhin 4 Prozent, so liegt der Garantiezins nun bei 1,75 Prozent. Geht es nach dem Willen des Bundesfinanzministeriums, soll der Versicherungs-Garantiezins ab 2015 nur noch bei 1,25 Prozent liegen. Bei einem Inflationsziel der EZB von zwei Prozent ist damit die Enteignung der Versicherten vorprogrammiert.

Der Staat erzwingt, dass ein Großteil der Versicherungskapitalanlagen festverzinslich angelegt wird. Der Staat verlangt das, sonst darf ein Lebensversicherer keine Garantien aussprechen. Ein Schelm, der Böses dabei denkt: Durch die Anlagevorschriften, die der Staat selbst erlässt, stellt er sicher, dass es eine stabile Nachfrage für seine Schuldtitel gibt, die er fortwährend emittiert. Aktien- und Unternehmensbeteiligungen spielen, weil sie mittels staatlicher Anlagevorschriften benachteiligt werden, in den Portfolios der Versicherer mittlerweile nur eine sehr untergeordnete Rolle.

Intervention „Vorschriften hinsichtlich Bewertungsreserven“

Durch die rückläufigen Kapitalmarktrenditen haben sich in den Bilanzen der Versicherungen erhebliche ’stille Reserven‘ aufgebaut. Der Grund dafür ist, dass die tiefen Zinsen der EZB die Anleihekurse künstlich angehoben haben. Diese Bewertungsreserven sind vor allem eine Folge der EZB-Politik: Sie hat die Zinsen nach unten manipuliert. Einen Teil dieser Reserven – die nur durch die EZB-Zinsmanipulationen entstanden sind – müssen die Versicherer nun aufgrund gesetzlicher Vorschriften an die Versicherten auszahlen, wenn Versicherungsverträge auslaufen oder gekündigt werden. Die noch-Versicherten werden zur Ader gelassen zu Gunsten der nicht-mehr-Versicherten!

Intervention „Dividendenverbot“

Bei vielen Versicherern stellt sich mittlerweile die Frage: Wie lange können die ausgesprochenen Zins-Garantien noch erfüllt werden? Dies gilt vor allem für Verträge mit einem Garantiezins von vier Prozent. Wer das Denken der Interventionisten kennt, wird nicht überrascht sein: Die nächste Intervention steht an: Laut Michael Meister, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, ist geplant, dass Versicherungen künftig keine Dividende mehr an Aktionäre ausschütten dürfen, wenn sie ihre Garantieversprechen nicht mehr einhalten kann. Eine solche Intervention dürfte für die Aktienkurse der betroffenen Versicherungen den Absturz bedeuten – und damit eine empfindliche, wenn nicht gar untragbare Verteuerung ihres Eigenkapitals.

Auch die Kunden tragen Schuld

Die Versicherten sind bei all dem nicht frei von Schuld. Als ‚garantieverliebt‘ muss man den ‚Durchschnittsdeutschen‘ bezeichnen. Und wenn Garantien nachgefragt werden, werden Garantien angeboten. So ist das nun einmal. Die meisten Menschen sind glücklich, wenn man ihnen einen Versicherungsschein in die Hand gibt, auf dem sinngemäß steht, wir garantieren Ihnen zum Ablauf Ihres Vertrages, dass Sie nichts verlieren. Sie heften den Versicherungsschein brav in ihrem Ordner ab, fühlen sich sicher, weil sie ja ’nichts verlieren können‘.

Doch das funktioniert nicht, es kann nicht funktionieren. Denn so etwas wie Sicherheit gibt es nicht, kann es nicht geben. Und deshalb muss irgendwann das große Erwachen kommen. Warum aber ist gerade der Deutsche so empfänglich für Sicherheitsversprechen, warum lässt er sich einlullen von den Versprechungen von Stabilität und Sicherheit durch den Staat? Warum scheut er das Risiko? Auf diese Fragen lässt sich die Antwort leicht finden.

Vor gar nicht allzu langer Zeit gab es, zumindest für hier und da, in Deutschland Wahlbürger und Politiker, die noch wussten, dass ein ‚zuviel‘ an Wohlfahrtsstaat die Menschen immer abhängiger und sicherheitsgieriger macht. Doch sie sind mittlerweile sprichwörtlich ausgestorben. Wähler und auch Parlamentarier wären daher gut beraten, Ludwig Erhards Buch Wohlstand für alle aus dem Jahre 1957 aufmerksam zu studieren.  Sie werden sehen: Erhard wusste (immerhin noch), dass der Vorsorgestaat ein Wahngebilde ist, und dass der Staat aus dem Bürger einen Untertanen macht.

Freiheit für das Sparen

Die staatliche Rente alleine reicht für das Alter nicht mehr aus. Die Bürger müssen eigenverantwortlich sparen. Dazu braucht man den Staat ganz sicherlich nicht. Im Gegenteil. Denn der Staat ist ein Veruntreuer – wie die Versorgungslücken und Altersarmut, die er seinen Bürgern bescheren wird, unmissverständlich deutlich machen sollte. Vielmehr brauchen die Bürger Freiheit vom Staat, vor allem beim Sparen. Was dazu nötig ist, ist ein freier Markt für Sparen und Investieren.

Das Kind ist bereits in den Brunnen gefallen – und zwar als direkte Folge des Interventionismus. Für Sparer besteht nur noch Hoffnung auf Besserung, wenn der Staat vom Interventionismus ablässt.

Bereits im Jahre 1929 brachte es Ludwig von Mises in seinem Werk Kritik des Interventionismus auf den Punkt:

Es gibt eben keine andere Wahl als die: entweder von isolierten Eingriffen in das Spiel des Marktes abzusehen oder aber die gesamte Leitung der Produktion und der Verteilung an die Obrigkeit zu übertragen.

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Andreas Marquart ist Vorstand des “Ludwig von Mises Institut Deutschland”. Er ist seit 15 Jahren in der Finanzberatung tätig und orientiert sich dabei an den Erkenntnissen der Österreichischen Geld- und Konjunkturtheorie.

Anfang Mai erscheint sein gemeinsam mit Philipp Bagus geschriebenes Buch “WARUM ANDERE AUF IHRE KOSTEN IMMER REICHER WERDEN … und welche Rolle der Staat und unser Papiergeld dabei spielen”.

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