Dr. Bruno Bandulet im Interview über den Euro, Target2 und das deutsche Gold

6.4.2012 – Herr Bandulet, Sie haben dieser Tage in einem Artikel den Euro als “lebenden Leichnam” bezeichnet. Das klingt nicht gerade zuversichtlich. Wiederbelebung zwecklos?

Dr. Bruno Bandulet

Bandulet: Naja, er ist noch nicht ganz tot. Er liegt auf der Intensivstation. Am besten sieht man das daran, daß der Interbankenmarkt nicht mehr funktioniert. Die Banken überleben zwar mit Hilfe der EZB. Aber sie trauen sich gegenseitig nicht mehr, woraus sich die Frage ergibt, warum dann die Kunden den Banken trauen sollen. Was ich gemeint habe, war, daß das Euro-Experiment als solches gescheitert ist. Der Euro hat nichts von dem gebracht, was seine Gründer erhofft und versprochen hatten. Er verdammt Südeuropa zu einer jahrelangen Depression. Er verdammt den harten Kern der Euro-Zone zu permanenten Rettungsmaßnahmen. Er bringt allen Geldentwertung. Er ist ein Verbrechen an der Jugend Europas. In Spanien liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei 50%! Der Euro, das ist ein grausames Spiel, das beendet werden sollte.

Die Target2 Forderung der Deutschen Bundesbank haben mit über 500 Mrd. Euro ein Rekordniveau erreicht. Sitzt Deutschland in der Falle und ist erpressbar geworden, was weitere Hilfe Richtung Südeuropa betrifft?

Bandulet: Das stimmt, Deutschland sitzt in der Falle. Einen billigen, schmerzlosen, einfachen Ausweg gibt es nicht mehr. Aber ich habe den Eindruck, daß sich die Regierung Merkel gar nicht erpreßt fühlt. Beim Europäismus handelt es sich um eine Ideologie – und Ideologen verdrängen nun einmal die Realität. Einmal abgesehen von den enormen Verlusten, die der Bundesbank tatsächlich drohen: man kann selbstverständlich jede Währungsunion wieder auflösen, wenn man nur will. Das ist ein technisches und damit ein lösbares Problem.

Die Vertreter der Österreichischen Schule plädieren für freies Marktgeld. Hat eine Entwicklung dahin mit den Preissteigerungen bei Gold und Silber vielleicht bereits eingesetzt?

Bandulet: Ja und Nein. Ja, weil Gold in der Tat von Zentralbanken und privaten Anlegern als alternative Währung gesehen und auch so behandelt wird. Nein, weil weder die Geschäftsbanken noch die Regierungen gegenwärtig die Absicht haben, diesen Status zu formalisieren und Gold auch rechtlich dem Papiergeld gleichzustellen.

Sie sind Erstunterzeichner bei der Aktion der Deutschen Edelmetallgesellschaft “Holt unser Gold heim!”. Warum sind Bundesregierung und Deutsche Bundesbank so passiv hinsichtlich der Heimholung des deutschen Goldes  und für wie wahrscheinlich halten Sie es, dass die Bundesrepublik Deutschland ihr Gold benötigen wird, um damit irgendwann eine neue Währung zu unterlegen?

Bandulet: Mit der Aktion wollen wir eine Debatte anstoßen und das Problem ins öffentliche Bewußtsein rücken. Es ist jetzt schon ein Jahrzehnt her, daß ich das Thema recherchiert und in G&M als einer der ersten darüber publiziert habe. Geschehen ist nichts. Die deutschen Behörden wagen es nicht, das Gold aus New York zurückzuholen. Bei der finanziellen Aussaugung ihrer eigenen Bürger sind sie sehr mutig, gegenüber der Supermacht schon weniger. Ja, es ist absolut vorstellbar, daß das deutsche Gold eines Tages als Deckung und Vertrauensbasis für eine Neue Deutsche Mark benötigt wird. Dazu aber braucht man es hier, auf eigenem Boden.

Herr Bandulet, vielen Dank für das Interview.

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Die Fragen stellte Andreas Marquart, misesinfo.

Dr. Bruno Bandulet ist der Herausgeber von GOLD & MONEY INTELLIGENCE, www.bandulet.de